Das Abenteuer startet- 125km auf dem Lechweg

Der Formarinsee

Vom Formarinsee zurück nach Lech

Wie bereits schon am Anfang erwähnt bin ich den Lechweg nicht klassisch gelaufen. Die einzige Etappe die ich tatsächlich klassisch gewandert bin war die erste. Also starten wir rein in das Abenteuer Lechweg oder wie ich ihn auch bezeichne meine persönliche Heilungswanderung. Wer nicht mitbekommen hat warum ich zur Reha war, hole ich euch noch einmal kurz ab. Im Februar 2022 hatte ich einen schweren Arbeitsunfall, bei dem ich leider nicht so ganz glimpflich davon gekommen bin. Neben der kaputten Schulter habe ich nach einigen Wochen gemerkt, dass etwas nicht mit mir stimmt und so kam die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung (kurz PTBS) dazu. Diese Diagnose stellt mein Leben mehr als auf den Kopf und so kam der Entschluss dann auch in die Reha zu gehen und mir weitere Hilfe zu suchen. Ich habe vorher bereits schon Traumatherapie gemacht und die Reha sollte mich bei meiner weiteren Heilung unterstützen. So viel sei gesagt, das Wandern hat mir  mehr gebracht als die Reha. So nun aber genug von mir und hinein ins Abenteuer Lechweg.

Zahlen, Daten und Fakten

Länge der Wanderung: ca. 15km
Aufstieg: 100m
Abstieg:520m
Dauer der Wanderung: Ca. 5h mit Pausen
Erreichbarkeit: Mit dem Auto und der Bahn, Parken ist in Lech in der Tiefgarage am Anger, Kosten unterscheiden sich je nach Jahreszeit. Ich habe für den ganzen Tag 10€ bezahlt. Von dort geht es dann weiter mit dem Wanderbus ab dem Rüfiplatz bis zur Formarinalpe, Kosten 24€ inklusive Maut
Start- und Ziel: Formarinsee und das Ziel ist der Rüfiplatz in Lech
Wegbeschaffenheit: zu Beginn schmale Bergwanderweg, dann breite Wanderwege und zum Ende ein wenig Asphalt
Highlights: Formarinsee, Startpunkt Lechweg, der Lech, viele Tierbegegnungen

Meine erste Fernwanderung im Ausland

Am Startpunkt vom Lechweg

Die wohl teuerste Busfahrt meines Lebens… zumindest wenn man es auf die Dauer rechnet. 24€ für knapp 30 Minuten. Im Bus beäugen mich die anderen Wanderer, da ich mit einer dünnen Wanderhose und nur mit Trailrunnern unterwegs bin. Meine Wetterapp hat gesagt 10° und Sonne. In Lech angekommen, werde ich eines besseren belehrt. Viele Wolken und eher nass kalt. Gefühlt 2°. Muss ich wohl schneller Wandern. Im Rucksack habe ich noch eine Daunenjacke, aber die bleibt erstmal da, wo sie ist. 

Tja und mit den Trailrunner komme ich bestens klar, alle anderen Wanderer sind mit Bergstiefeln unterwegs. Im Wanderführer stand etwas von felsdurchsetztem Bergpfad. Lassen wir uns überraschen, ob die Schuhe die richtige Wahl waren.

Während der Busfahrt erhascht man immer wieder kleine Blicke auf die heutige Etappe vom Lechweg. Und die Vorfreude steigt und steigt. Am Ende der Busfahrt, strömen alle hinaus und fast alle wandern hoch zum Formarinsee. Der See liegt eingebettet zwischen den Bergen und scheint tief blau. Bester Auftakt. Einige wandern um den See herum zur Freiburger Hütte, andere beginnen mit dem Abstieg in Richtung Lech. 

So auch ich. Naja fast. erstmal gucke ich mir noch den Lechweg im kompletten Verlauf auf der Infotafel an und dann starte ich durch. So langsam muss ich mich auch bewegen, denn ich beginne zu frösteln. Ich folge dem „L“ auf schwarzem Grund. Das ist nämlich die Wegmarkierung für den Lechweg. Ich halte mich an die vorgegebene Wegführung und so plätschert links neben mir der Formarinbach. Der Weg führt durch steindurchsetzte Wiesen und schon bald treffe ich auf das erste Weidevieh. Ich scheine eine magische Anziehung auf Kühe. Oder der Apfel in meinem Rucksack ist es. Zumindest werde ich regelmäßig verfolgt und beschnuppert. Gut das ich keine Angst vor Kühe habe. Und bevor einer fragt, der Apfel ist in meinem Rucksack geblieben. Das ist ein wichtiges Wandergebot: Weidetiere nicht anzufassen und niemals zu füttern. Ihr wisst nicht, ob die Tiere euer Essen vertragen. 

Ich laufe weiter über die Wiese und stehe plötzlich in einer Pfütze. Zumindest denke ich das. Aber nein es ist die Quelle vom Spullerbach, der kurze Zeit später sich mit dem Formarinbach vereint. Und so ist der Lech geboren. Das Wasser schimmert hier oben schon beeindruckend türkis. Mittlerweile laufe ich auch immer wieder über Holzstege.

Der Lech hat hier oben schon einige Fallstufen und ich komme aus dem Staunen und dem Fotografieren nicht mehr raus. Der Lechweg hat mich im Sturm in seinen Bann gezogen. Immer wieder komme ich an Fallstufen vorbei und je weiter ich vorankomme, desto breiter wird er. Naja breit ist hier definitiv noch übertrieben, wenn ihr die nächsten Etappen auf dem Lechweg lest und die Bilder schaut, werdet ihr es verstehen. 

 

Einfach nur traumhaft

Tja und dann versperren ab und an noch Kühe den Weg. Ich bin in einem sicheren Abstand stehen geblieben und habe gewartet bis sie fertig war mit fressen und ihres Weges gegangen ist. Da heißt es dann einfach Geduld aufbringen. Aber die Kuh war gnädig und ließ mich schnell durch.

Und nach gut 8km knurrte mein Magen und ich machte eine Pause an einer der vielen tollen Bänke am Lechweg. Und so sitze ich am Lech und bin ganz bei mir. Genieße die Natur, lasse meinen Gedanken freien Lauf und bin fast den Tränen nahe. Endlich… Endlich an meinem Safeplace. Endlich kann ich meinen Teil zum Gesund werden beitragen.

Nach der Pause gehts entspannten Schrittes weiter. Nur plötzlich bin ich verwirrt.  

In meiner Recherche hatte ich nichts von einer Umleitung gelesen. Aber bevor wir einen Golfball an den Kopf bekommen, nehmen wir die Umleitung in Kauf. So langsam komme ich mehr Richtung Zivilisation und Richtung Zug und Lech. Meinem heutigem Etappenziel. Der Weg führt vorbei an Schwimmbad von Lech und ich habe zum Ende der Etappe noch einmal einen leichten Anstieg und laufe durch bunte Almwiesen und hohem Gras. Zumindest links und rechts des Weges. Zurück in Lech geht´s für mich zügig zum Auto, denn am Abend möchte ich noch zu den Sonnenwendenfeuern nach Ehrwald. 

Fazit

So grau in grau der Tag doch gestartet ist, desto schöner wurde er. Hat die Wetterapp doch nicht gelogen. Diese Etappe war easy mit Trailrunnern machbar. Und der Lechweg hat schon jetzt ein Platz in meinem Herzen. Die türkise Farbe vom Lech ist einfach traumhaft schön und die abwechslungsreiche Wegführung  vom schmalen Bergpfad, durch Bergwiesen oder über Holzstege lässt mein Wanderherz hüpfen. Die erste Etappe war auch easy zum reinkommen, nicht zu viele Kilometer und dadurch das es fast nur bergab geht, auch für mich Flachländerin easy machbar. Ich bin gespannt auf die nächsten Etappen.

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